Vortrag: „Die größte List des Teufels..“ – Zur Kritik der Verschwörungstheorien

Verschwörungsmythen sind fast allgegenwärtig: im Alltag, in der Populärkultur, in der Politik. Ihre Verfechter sind Linke und Rechte, Religiöse und Säkulare, Einzelne oder ganze Gruppen, und so ziemlich alle(s) dazwischen. Sie ‚wissen‘ wer Kennedy ermordete, die Bilder von der Mondlandung fälschte oder die Fabrik nebenan schließt, wer Krankheiten und Drogen in die Welt oder Fluorid ins Wasser bringt, warum Elvis noch lebt, zwei Türme in New York einstürzten oder Herrschaft, Ausbeutung und Leiden unser aller
Leben prägenObwohl sich Verschwörungsmythen mit unendlich vielen Einzelheiten und Details umgeben, ist ihre Form die Erklärung der Welt aus einem Punkt, und mit klaren, mächtigen, und gerade deshalb verborgenen und bedrohlichen Verantwortlichen. In ihnen „besteht die größte List des Teufels […] gerade darin, den Glauben zu erwecken, er existiere überhaupt nicht“ (Léon Poliakov).

Vor dem Hintergrund einiger populärer Theoreme über die Anschläge vom 11. September 2001 und ihre Folgen wird die Veranstaltung in die Geschichte, Struktur und Funktion von Verschwörungsmythen und des paranoiden Denkens einführen. Im Mittelpunkt soll dabei deren Form der Erklärung der Welt stehen, die Frage warum sie Wirkungsmacht entfalten und ob wir aus ihnen etwas über das Ereignis, oder über die Einzelnen und die Gruppen, die sie sich aneignen und über den Zustand ihrer Gesellschaft erfahren.

Flo Hessel (Hamburg/Bochum) ist Sozialwissenschaftler und Mitglied des Instituts für Sozialtheorie.
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